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„Wenn morgens um 6:00 die Welt explodiert"

  • iwuestenhaus
  • 25. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Warum wir schreien, wenn wir eigentlich Mitgefühl haben wollen.

Ein ehrlicher Einblick von Ines Klein

Es gibt diese Momente, da reicht keine Theorie der Welt. Da hilft kein tiefes Durchatmen, weil die Realität dich einfach überrollt. Ich kenne diese Momente nicht nur aus dem Coaching, ich kenne sie als Mutter von drei Kindern selbst.

Lass mich dir von einer Situation erzählen, die zeigt, wie schnell wir im „Überlebensmodus“ landen:

Das Szenario: Null auf Hundert in zwei Minuten

Es ist Nacht oder der frühe Morgen. Du bist gerade erst aufgestanden, deine Augen brennen, dein Gehirn ist noch im Standby-Modus. Und dann steht dein Sohn vor dir – weinend, die Hose nass. Pipi-Unfall.

Deine eigene Blase drückt, du bist noch nicht „online“. Du sagst: „Geh schon mal ins Gästeklo, ich komme sofort, ich muss nur eben selbst kurz.“ Du versuchst zu funktionieren.

Als du zwei Minuten später die Tür zum Gästeklo öffnest, trifft dich der Schlag: Dein Sohn steht dort, kreischend, die Hose ist unten, aber die Pfütze ist nicht im Klo, sondern auf dem Boden. Und genau in diesem Moment kommt deine Tochter die Treppe runter – knatschig, weinend, sie wälzt sich am Boden, weil ihr alles zu viel ist.

Der emotionale Kurzschluss

In diesem Moment passiert in deinem Kopf folgendes:

  1. Sensorischer Overload: Das grelle Licht, das Kreischen, der Geruch, das klebrige Gefühl am Boden.

  2. Eigene Notdurft: Dein Körper ist noch im Stress, weil dein eigenes Grundbedürfnis (Toilette) gerade erst mühsam gestillt wurde.

  3. Hilflosigkeit: Du hast keine zwei Hände mehr frei für zwei weinende Kinder und eine Pfütze.

Und dann passiert es: Du wirst laut. Du brüllst. Vielleicht sagst du Dinge, die du nicht so meinst. Und sobald die erste Wut verraucht ist, kommt sie: die lähmende Scham. Das Gefühl, komplett versagt zu haben.


Warum das kein Erziehungsfehler ist, sondern Biologie:

Wenn wir frisch aus dem Schlaf kommen, ist unser „Denkhirn“ (der präfrontale Cortex) noch gar nicht richtig hochgefahren. Wir reagieren aus dem Hirnstamm – dem Teil, der nur „Angriff, Flucht oder Erstarrung“ kennt.

Für dein Nervensystem ist diese Situation in diesem Moment ein Angriff. Es ist zu viel Information für zu wenig Energie. Dass du laut wirst, ist ein Zeichen dafür, dass dein System versucht, wieder „Herr der Lage“ zu werden – auch wenn es der falsche Weg ist.

Was wir daraus lernen können (und was ich dir im Coaching zeige)

Es geht nicht darum, dass solche Situationen nie wieder passieren. Es geht darum, wie wir damit umgehen:

  • Selbstmitgefühl statt Selbstverurteilung: Sag dir im Nachgang: „Ich war überfordert. Mein System hat auf Alarm geschaltet. Ich bin trotzdem eine gute Mutter / ein guter Vater.“

  • Die Reparatur: Sobald du wieder im „Window of Tolerance“ bist, geh zu deinen Kindern. Sag: „Mama/Papa war gerade total überfordert. Ich war zu laut. Das tut mir leid. Ich habe euch lieb. Jetzt wischen wir das zusammen weg und fangen nochmal neu an.“

  • Muster erkennen: Im Coaching schauen wir uns an, warum uns gerade diese Momente so triggern. Ist es der Schlafmangel? Ist es das Gefühl, mit allem allein zu sein?

Du bist nicht allein mit diesen Momenten.

Erziehung mit „Herz und Klarheit“ bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet, ehrlich mit sich selbst zu sein und nach einem Sturm den Weg zurück in die Verbindung zu finden.




 
 
 

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„Wichtiger Hinweis: Mein Coaching-Angebot dient der Prävention und Selbsterfahrung. Es stellt keine Heilbehandlung dar und ist kein Ersatz für eine psychotherapeutische oder medizinische Behandlung.“

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